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Werkstoffe für Wasserstoffspeicher

Warum Erfahrung wichtiger ist als Edelstahl und Beschichtungen.

Bei der Planung von Wasserstoffanlagen steht häufig die Frage im Raum, welche Werkstoffe für die Speicherung von gasförmigem Wasserstoff geeignet sind.

Insbesondere bei Projektbeteiligten, die bisher wenig Berührung mit Wasserstoffanwendungen hatten, entsteht oftmals die Annahme, dass Edelstahl grundsätzlich die bessere Lösung sei oder dass Speicherbehälter zum Schutz des Werkstoffes innen beschichtet werden müssten.

Die Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild.

Bewährte Werkstoffe statt vermeintlicher Premiumlösungen.
 

Die Speicherung von gasförmigem Wasserstoff erfolgt seit Jahrzehnten erfolgreich in Druckbehältern aus geeigneten Feinkornstählen.

Entscheidend ist dabei nicht die Verwendung möglichst teurer Werkstoffe, sondern die Auswahl geeigneter Werkstoffgüten in Verbindung mit einer auf Wasserstoff abgestimmten Konstruktion, Fertigung und Prüfung.

In der industriellen Praxis haben sich Feinkornstähle wie beispielsweise P355 NH, P355 NL1 oder P355 NL2 über viele Jahrzehnte bewährt. Zahlreiche Speicherbehälter dieser Bauart befinden sich seit Jahrzehnten im Einsatz und werden regelmäßig wiederkehrenden Prüfungen unterzogen.

Die Erfahrungen aus diesen Prüfungen zeigen, dass bei sachgerechter Auslegung und Herstellung eine langfristige und sichere Nutzung möglich ist.

Bietet Edelstahl technische Vorteile?
 

Immer wieder wird angenommen, dass Edelstahl für Wasserstoffspeicher grundsätzlich die technisch bessere Lösung sei.

Für die Speicherung von gasförmigem Wasserstoff lässt sich diese Aussage jedoch nicht pauschal bestätigen.

Vielmehr erhöhen Edelstähle in vielen Anwendungen die Material- und Fertigungskosten erheblich, ohne dem Betreiber einen entsprechenden technischen Mehrwert zu bieten.

Maßgeblich für die Eignung eines Wasserstoffspeichers sind nicht die Werkstoffbezeichnung oder ein besonders hochwertiges Erscheinungsbild, sondern Faktoren wie:

  • Betriebsdruck
  • Betriebstemperatur
  • Lastwechselbeanspruchung
  • Fertigungs- und Schweißnahtqualität

Die Auswahl des Werkstoffes sollte daher immer auf Basis der tatsächlichen Betriebsbedingungen erfolgen und nicht aufgrund allgemeiner Annahmen. 

Warum werden Wasserstoffspeicher innen nicht beschichtet?
 

Eine weitere häufig gestellte Frage betrifft die Innenbeschichtung von Wasserstoffspeichern.

Während in anderen Industriebereichen Beschichtungen häufig als Korrosionsschutz eingesetzt werden, hat sich dieses Konzept für die Speicherung von gasförmigem Wasserstoff nicht etabliert.

Wasserstoffspeicher werden üblicherweise innen gestrahlt und sorgfältig vorbereitet. Auf zusätzliche Innenbeschichtungen wird bewusst verzichtet.

Der Grund liegt in den besonderen Eigenschaften des Wasserstoffs. Aufgrund seiner hohen Diffusionsfähigkeit stellt Wasserstoff erhebliche Anforderungen an Beschichtungswerkstoffe. Zusätzlich müssen sämtliche Beschichtungen dauerhaft den Druckwechseln und den elastischen Verformungen des Behälters folgen können.

Bis heute existiert keine im industriellen Großanlagenbereich etablierte Innenbeschichtung, die über Jahrzehnte unter Wasserstoffbeanspruchung einen nachgewiesenen technischen Vorteil bietet. Gleichzeitig würden zusätzliche Beschichtungen weitere Prüf- und Überwachungsanforderungen mit sich bringen.

Die langfristige Betriebssicherheit wird daher nicht durch eine Beschichtung erreicht, sondern durch die Auswahl geeigneter Werkstoffe, eine hochwertige Oberflächenvorbereitung und eine kontrollierte Fertigung.

Die entscheidenden Faktoren liegen in Konstruktion und Fertigung.
 

Für einen sicheren Wasserstoffspeicher ist nicht nur die Werkstoffauswahl entscheidend.

Ebenso wichtig sind:

  • die Berücksichtigung der späteren Lastwechsel
  • die Auswahl geeigneter Fertigungsparameter
  • die Qualität der Schweißnähte
  • der Umfang zerstörungsfreier Prüfungen während der Herstellung
  • die Möglichkeit wirtschaftlicher wiederkehrender Prüfungen während der gesamten Betriebszeit

Gerade bei Wasserstoffanwendungen zeigt sich, dass die langfristige Betriebssicherheit bereits bei der Konstruktion und Herstellung festgelegt wird.

Fazit: Nicht Edelstahl, nicht Beschichtungen und nicht einzelne Materialbezeichnungen entscheiden über die Qualität eines Wasserstoffspeichers.

Entscheidend ist die Kombination aus geeigneter Werkstoffauswahl, jahrzehntelanger Erfahrung im Wasserstoffbereich, kontrollierter Fertigung, umfangreichen Prüfungen und einer Konstruktion, die auch nach vielen Jahren einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb ermöglicht.

Wer Wasserstoff langfristig speichern möchte, sollte deshalb nicht nach dem teuersten Werkstoff suchen, sondern nach einer Lösung, die über die gesamte Lebensdauer technisch und wirtschaftlich überzeugt.